Er schõpfte tief Atem, kippte den letzten Schluck hin- unter und schmiß das Glas in weitem Bogen gegen einen Stein.
Es vergingen einige Sekunden. Chabrun riß ein Gras ab, das neben ihm aus einer Mauerritze hervorlugte. Er z0g den Halm durch die Zähne, zerkaute ihn. Seine Stimme klang wie aus dem Schlaf, als er wieder zu Sprechen anfing: Hm, ich gebe zu, wir alle sind etwas angestoßen, ich ein- geschlossen. Wie das alte Porzellan zu Hause bei meiner Mutter auf Gut Zastrow: gut anzuschauen, aber nicht mehr Schr viel wert. Immerhin, zu einem halbwegs anstãndigen Abgang wird's bei mir wohl noch reichen.v Er wurde all- mãhlich wacher. Jawohl, wenn am Tage des Gerichts zum Appell geblasen wird und jeder seine verstreuten Knochen vorzuweisen hat, dann hoffe ich, eine leidlich gute Figur zu machen, so daß der Erzengel vom Dienst kommandieren kann: rechts ran, Gefreiter Chabrun, oder vielleicht sogar Unteroffizier Chabrun, obwohl ich fürchte, daß meine lose Klappe mich auch um die letzte Chance bringen wird, die Achselstũcke zu kriegen.v Er sSchnippte mit den Fingern. So oder so, ich werde die Chose durchstehen, aber du, mein Freund, du bist nicht imstande, einsam zu sein. Du nicht. v
Ehe ich mich dessen versah, war Chabrun von meiner Seite hinuntergeglitten und schritt davon; es sah aus, als ziche er den Kopf vor einem unsichtbaren Hagelschauer ein.
Ich õffnete den Hõlderlinband aufs Geratewohl. Das Ge- dicht auf der Seite, die ich aufgeschlagen hatte, war ganz kurz. Der Titel klang trostreich und verheißungsvoll:, Der gute Glaube!“
Schönes Leben! du liegst krank, und das Herz ist mir Můd vom Weinen, und schon dãmmert die Furcht in mir; Doch, doch kann ich nicht glauben,
Daß du sterbest, solang du Hebst.
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