(Nein, bleib nurv, rief er, da ich Miene machte, mich wieder zu entfernen, cich bin schon fertig mit meinen Er- gießungen. v Ironisch lachend, steckte er das Notizbuch weg. Erstaunlich, wieviel Schreiber es unter uns Deut- Schen gibt, wasꝰ Ich wette, jeder zweite fũhrt Tagebuch oder dichtet heimlich Verse... Na, was führt dich zu mir? Den Hõlderlin willst du haben? Ist ja großartig! Was habe ich gesagt? Die Lyrik ist nun mal das unentbehrliche deutsche Hausmittel gegen Gemüts-Podagra und Herz-Wehweh.v
Ach geh*, wehrte ich ab, du konsumierst von uns al- len am meisten Hõlderlin und hast dabei sicher nicht das geringste Herzleid.v
Da hast du recht, mein Sohn versetzte Chabrun. Gleich darauf verschwand das Lãcheln von seinem dunklen Ge- sicht. Er suchte das Buch hervor und gab es mir.
Ich sah, daß er zögerte, wohl weil er sich in einer mitteil- Samen Stimmung befand, und schlug vor: Machen wir einen kleinen Spaziergangꝰv
chabrun nickte. Bevor wir gingen, kramte er noch eine altertũmliche Feldflasche aus Zinn und ein Glas aus Sei- nem Koffer.
Wohin dv fragte ich, als Chabrun den Weg nach dem Hinterhof einschlug.
Komm nur.v Er schwang sich auf die Hofmauer und gab mir ein Zeichen, ich solle mich neben ihn setzen.
Die Aussicht, die sich uns von dem Platz auf der Mauer pot, war kärglich: ein unbebauter Streifen Land mit Gras und Schutt, die Rückseiten einiger Mietskasernen und ein Stück Flußufer mit verkrũppelten Weidenbãumen. Etwas Trauriges und Rũhrendes haftete dieser Landschaft an, die in ein weiches grau-rosa Apendlicht getaucht war.
Ich weiß nicht warum, aber die Gegend hier erinnert mich manchmal an die Markv, sagte Chabrun, vielleicht weil Sic 8o kahl ist. Er schraubte den Verschluß von der Reldfasche. Ich sah, daß sie eine ãhnliche Gravierung trug
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