Wir Sahen dem Paar nach, wie es die Straße von unserem Quartier hinunter zur Haltestelle der Trampahn marschierte. Scelke nahm sich neben seiner mächtigen Frau wie ein verãngstigter Schuljunge aus, der vom Parkwãchter abge- führt wird.
Sack Zement! Die hat Haare auf den Zähnenv, stieß Klobocznik hervor, der erst jetzt die Sprache wiederfand. Aber sie hat auch sonst noch was! Herrschaften, also wenn ich der Seelke wãre... v Er kniff die kleinen, schwimmen- den Augen zu und schmatzte.
Ich lachte mit den andern über Seelke, aber seine Ehe- idylle, so grotesk und lãcherlich sie war, weckte in mir auch eine sentimentale Wehmut, eine unbestimmte Schnsucht, etwas Ahnliches, wie ich es als unglũcklich verliebter Gym- nasiast empfunden hatte.
Ich versuchte, mich von dieser sonderbaren Gemütsver- fassung durch Spott zu befreien. War ich nicht schon zu alt, zu abgebrüht, um nach der blauen Blume einer roman- tischen Licbe zu suchen? Ich verscheuchte ein Bild, das sich mir aufdrãngen wollte,— bekannte, etwas bãuerliche Züge unter braunem Haar. Nein, ich wollte davon nichts wis- Sen. Es war Sinnlos und- gefãhrlich. Ich Spürte in meinem Innern den zitternden Stoß, der sich immer vor Unannehm- lichkeiten oder Gefahren, wirklichen und nur eingebilde- ten, einstellte.
Das Bild verschwand. Der Stoß verzitterte. Aber ver- drängte Träume sind wie gestutzte Bäume; sie wachsen nachher nur um so kräftiger.
Mir kam das Verlangen nach Gedichten.
Chabrun saß auf seinem Bett und kritzelte eifrig in ein Notizbuch, als ich kam, um mir den Hõlderlinband von ihm auszuleihen.


