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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Unteroffizier Marofke kam und verkündete, daß Ober- leutnant Malzahn sich bereit erklärt habe, Frau Seelke zu empfangen.

Sich'ste wohl dy raunte sie ihrem Mann zu und bot dem Unteroffizier ihren Arm.

Marofke stand steif da wie eine Auslagspuppe.Tich...v stotterte er, aiich bin quasi im Pienst.v

(Klar, das meine ich ja auchꝰ, gab Frau Seelke zurũck und bemãchtigte sich dabei seiner baumwollbehandschuh- ten Rechten, eglauben Sie denn, ich würde mich sonst von Ihnen unterfassen lassen ꝰv

Klobocznik sandte ihr einen bewundernden Blick nach, hob dann sein Glas Seelke entgegen und verkündete im Brustton der Uberzeugung: cDie schindet mindestens sie- ben Tage Urlaub für dich heraus, Alois, das ist mal tod- sicher. v

Wider alles Erwarten gelang es Frau Seelke jedoch nicht, den Urlaub durchzudrücken. Hõhere Gewalten hatten eine unbedingte VUrlaubssperre angeordnet. Es war nichts zu machen. Immerhin erhielt Seelke sechsunddreißig Stunden dienstfrei, zwei Nãchte eingeschlossen.

(MAlso, ich verstehe die Welt nicht mehrꝰ, erklärte Frau Frieda dũster, als sie von Malzahn zurückkam.(Aber ich habe es ihm gesagt. Herr Oberleutnant, habe ich ihm ge⸗ sagt, die sechsunddreißig Stunden sind ein Tropfen auf᷑ ei- nen heißen Stein, und es ist Ihnen doch hoffentlich klar, daß Sie vor den Ruinen einer deutschen Ehe stehen. v

Klobocznik schnaufte ergriffen. Aber, Frau Seelke, Sie werden doch nicht... v

Mensch, machen Sie mich nicht auch noch verrũckt! Schnitt ihm Frau Frieda das Wort ab. Ohne einen Blick mehr an Klobocznik oder sonst jemand von uns zu ver- schwenden, trieb sie ihren Mann zur Eile an:(Na, nu komm doch schon, Alcis, die Zeit steht nicht still.v

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