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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Es war ein komischer Anblick, und Seelke rief ihm nach, es sei vielleicht besser, alle Viere zu benutzen. Indem er- tõnte das ũbliche Fanfarensignal, und gleich darauf ver- kündete der Sprecher des Protektoratsamtes, daß man die beiden Heydrich-Attentãter gefaßt habe.(Die Festnahme erfolgte durch Organe der Geheimen Staatspolizei, unmit- telbar nach Ablauf der letzten Frist, die der tschechischen Bevölkerung gestellt worden war, um die Täter namhaft zu machen.v

Pietz stieß einen Juchzer aus. Hab ich's nicht gesagt? Er führte eine Art Schuhplattler auf. Mir flitzte dabei ein Bild aus dem Film, Sieg im Westen, den man uns so oft gezeigt hatte, durch den Sinn: Hitlers Bocksprünge nach Empfang der franzõsischen Waffenstillstandsbitte. Ich blickte zu Chabrun hin. Poch er hielt die Augen gesenkt.

Seelke lief zu Pietz, ergriff seine Hand, schüttelte sie: Mensch, also das ist ja großartig. Wie hast du das bloß riechen kõnnen?v

Dietz plusterte sich auf. ¶Das ist keine Kunst. Wenn un- sere SS. mal Ernst macht, dann klappt's eben. Das hat sich schließlich schon rumgesprochen. Nur Meckerer, oder ge- wisse Herrschaften, die einen Knacks weghaben, können daran zweifeln.v

Seelke wandte ein, daß jeder anständige Mensch sich ein- mal irren oder einen Zweifel haben könne. Er wurde je- doch in schneidendem Ton eines Besseren belchrt: Was Peutschland heute braucht, sind nicht anständige Men- schen, sondern deutsch fühlende, deutsch handelnde Volks- genossen.

Ein neuerliches Fanfarensignal ließ Dietz verstummen. Der Sprecher des Reichsprotektoratsamtes meldete sich abermals und gab zusätzliche Einzelheiten über den Fang der Attentãter bekannt. Die beiden seien bei einer Groß- fahndung unter Leitung von Berliner und Prager Gestapo - stellen in einer Kirche an der Stadtperipherie aufgestõbert

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