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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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die Vberlegenheit unserer Führung, die sich mit einem kühnen Entschluß über alle graue Schulweisheit hinweg- gesetzt hatte.

Chabrun, der es sich niemals versagen konnte, den Wind- hund bei solchen Reden aus dem Konzept zu bringen, be- nũtzte die erste Pause, die Dietz machte, um einzuwerfen: Du bist dir doch hoffentlich klar, daß die klassische deut- sche Kriegswissenschaft den F rontalangriff nicht schr hoch einschãtↄt. v Er ließ eine zu hart gestopfte Zigarette auf᷑ sei- ner Handflãche tanzen, bevor er fortfuhr: eSchlieffen zum Beispiel nennt ihn auch im Erfolgsfalle nur einen ordinãren Sieg.»

Ach was, ordinär oder nicht, es kommt nur auf den Sieg an, und manchmal zeugt es gerade von Genialität, wenn man auf das Uberfeinerte verzichtet und das Ordi- näre wählt, wie du es zu nennen belichst. S0 was bringt freilich nur eine Kriegskunst zustande, die wirklich Kuns ist, also auf Schau und Eingebung beruht, wie die unsere heute. Ihr gegenüber muß sich die kalt verstandesmãßige Strategie des Gegners naturnotwendig unterlegen zeigen.»

ch würde den Verstand doch nicht so radikal aus der Kriegswissenschaft eliminierenꝰ, sagte Chabrun; er be- schäftigte sich angelegentlich mit seiner Zigarette.

Pietz entgegnete heftig: Wer will denn das? Ich gewiß nicht. Aber ich weiß, wir alle wissen, daß der Verstand, auch der tiefste und umfassendste, eben doch nur an der Oberflãche bleibt. Alles, was uns denkhar und verstãndlich erscheint, ist schließlich nur dünner Schnee auf den Gip- feln des Unbewußten. Unter dem Ansturm von Rausch und Schicksalsnãhe schmilzt die Schncedecke des Intel- lekts. Das haben wir Deutsche in den letzten Jahren bei- Spielhaft genug erfahren. Die Erweckung der Nation durch einen unbekannten Gefreiten des Weltkriegs; der Aufstieg Deutschlands unter Adolf Hitlers Führung aus dem Ab- grund der Niederlage zu den Höhen unserer gegenwärti-