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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Was dem einen seine Eule, ist dem andern seine Nachti- gall.

Marofke hatte gerade hei einer Auskãmmung überzäh- liger Unteroffiziere seinen warmen Posten in der Kleider- kammer verloren und erwartete eine Abkommandierung in die Etappe oder gar an die Front, als ihm der Unfall, der Klahde das Leben kostete, eine unverhoffte Mõglichkeit bot, beim Wach und Sicherheitsbataillon zu pleiben. Und Marofke war ganz der Mann, eine solche Möglichkeit mit Klauen und Zãhnen festzuhalten. Er scharwenzelte bestän- dig um Oberleutnant Malzahn und den Kompaniefeld- webel herum, und er verfchlte es niemals, sich freiwillig zu besonderen Dienstleistungen anzubieten.

Untergebene konnten es Marofke nie recht machen. Das bekamen wir gleich heim ersten Appell zu spüren. Unser Aufzug war, quasi unter aller Kanone und die Stuben- ordnung nicht viel besser. Dies hier widersprach den Dienstvorschriften, dort das wieder verriet einen heimli- chen Hang zur Schlamperei, und überhaupt schienen wir keinen richtigen Begriff davon zu haben, was nach Marof- kes Worten die Scele vom Kommiß war, nämlichDiszi- plin und Vorschriftsmãßigkeit bis hinunter zum letzten Knopf. Und wer etwa glaubte, daß er sich gehen lassen und die Nase durch den Dreck schleifen lassen könne, der würde August Marofke von der sauren Seite her kennen lernen, verstandeh-wuhd

¶ch bin der beste Mensch auf der Weltv, schloß Quasi- modo seine erste Ansprache an uns, caber im Dienst kenne ich weder Vater noch Mutter. Keinen Pardon. Keine Gnade. Im Dienst bin ich ein Rabenvich. v Und er brummte Dietz wegen nicht genug glänzend geputzter Stiefel eine Woche Latrinendienst auf und drohte ihm mit dem drei- fachen Strafmaß, wenn beim nãchsten Appell das Leder- zeug nicht blitzen würde wie das Gold auf den Kreuzen der Potsdamer Garnisonkirche .

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