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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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Denkt daran, deutsche Soldaten. Wir führen Buch über jeden Missetãter unter euch und über jede Missetat, vom Mord bis zum Diebstahl einer Henne. Seid gewiß, der Zahltag kommt, und wer von euch sich an fremdem Leben oder fremdem Gut vergangen hat, wird teuer bezahlen müssen. Auch die andern werden alle gefragt werden: Habt ihr etwas getan, um eine Untat zu verhüten? Und wohl denen, die mit Ja werden antworten können.v Die Unterschrift lautete: Rächer des tschechischen Volkes.v

Wir lasen schweigend. Dann blickten wir uns an, immer noch stumm. Ich hatte beim Lesen ein jähes Ziehen unter dem Herzen, eine Schwäche in den Knien gefühlt. Doch schon kam die Beruhigung. Ich war ja an der Schießerei nicht beteiligt gewesen. Ich war noch an keiner Schießerei dieser Art beteiligt gewesen. Und verhüten? Wie hätte ich das kõnnen? Pamit tat ich die Frage ab, die sich mir auf- drängte. Sie versank, aber sie kam später wieder an die Oberflãche zurück, wie der Leichnam eines Ertrunkenen, einige Zeit nachdem er in die Tiefe gesunken ist, wieder emporsteigt.

Ich forschte in den Gesichtern der anderen. Chabrun war der einzige, der völlig gleichmütig schien. Er hatte sich eine Zigarette gedreht und blies Rauchringe in die Luft.

Seelke brach als erster das Schweigen: Das ist ja... vorsãtzliche Morddrohung ist das! Das sind Mörder, ge- wõhnliche Mörder. Da muß man exemplarisch dazwischen- funken. Mit eisernem Besen Ordnung machen l* Kirschrot rang er nach Atem.

Chabrun bemerkte beiläufig: Das ist der totale Krieg, mein Lieber. Ich persõnlich bin ja dagegen, daß sich die Zivilisten ins Militãrische hineinmischen. Aber wenn ich nicht irre, sind wir die ersten gewesen, die erklärt haben, daß das ganze Volk sich als Frontkämpfer fühlen muß.»

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