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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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(Na, dann losv fiel ihm Klobocznik ins Wort. Freiwil- lige vor fũr eine Speckpatrouille! Wer geht mit, Bier und Rollmõpse holen?v

Aber es kam nicht dazu. Unteroffizier Klahde pfiff uns auf den Gang hinaus.«Antreten! Ohne Gepäck. Mit Stahl- helm und Handgranaten l*

Stunden über Stunden klapperten wir dann, zusammen mit tschechischen Protektorats-Gendarmen, die Gassen eines ausgedehnten Vororts ab, Wohnung für Wohnung, um dem Befehl der Kommandantur über die allgemeine Trauerbeflaggung den nõtigen Nachdruck zu geben.

Man läuft sich noch die Beine in den Bauch, verdammt und zugenãht lvschimpfte Chabrun. Er erging sich in weit- schweifigen Flüchen über das Unwürdige und Lächerliche einer Situation, die es mit sich brachte, daß ein Chabrun d'Astier, anstatt einen Stoßtrupp vor dem Feind zu füh- ren, wie ein Briefträger treppauf und-ab laufen mußte. Aber was ihn wütend machte, war etwas anderes. Sogar Klobocznik, der es anfangs für einen Hauptspaß gehalten hatte, an die Wohnungstüren zu trommeln,als ob's die Polizei wäre, und dann, diesen Tschechen ein bißchen in die Kochtõpfe zu gucken, wurde allmãhlich immer gries- grämiger und schweigsamer. Dabei trafen wir in den Woh- nungen, die wir betraten, nicht etwa auf Widerstand, nicht einmal auf offene Zeichen von Feindseligkeit oder Verach- tung. Die Menschen sahen uns einfach nicht. Als ob sie sich alle verschworen hätten(und sie waren wohl auch alle in einer großen, unausgesprochenen Verschwörung vereint, zu einer einzigen unsichtbaren Wand zusammengeschlos- sen), so schauten sie an uns vorbei oder durch uns hin- durch. Die tschechischen Gendarmen, die mit uns waren und das Reden besorgten das Vorlesen des Kommandan- tur-Befehls, das Ermahnen und Warnen, waren nach kur- zer Zeit in Schweiß gebadet; ihre Gesichter hatten einen

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