(Ach, Hans», flüsterte sie. aIch bin nicht so, wie du denkst. Ich mõchte ja auch was ganz Finfaches: einen Mann, eine friedliche Liebe. Nicht so von einer Hand in die andere gehen und einen nach dem andern nehmen. Warum gibt es das nicht für uns? Ach, sag doch, daß du mich gern hast, Hans. Ich hab dich gern, wirklich, Hans, sag mir's doch, sag mir's dochlv
Sie erschien mir, als sie sich an mich schmiegte und ihre Augen in Erwartung schloß, reizvoller als je zuvor. Aber liebte ich sie? Nein, ich liebte sie nicht. Liebe war etwas anderes. Liebe hatte ein anderes Gesicht. Ich sah dieses Gesicht, während ich Effi streichelte, ohne auf ihre Frage Antwort zu geben.
T7
Manchmal hat man im Schlaf das Gefühl: es kommt ein Alarm. Ein Motorrad hat gestoppt, ein unbestimmter ha- stiger Lärm ist irgendwo aufgesprungen. Noch dauert der Schlaf an, noch gehen die Träume weiter, aber schon hat sich etwas Fremdes dareingeschlichen. Noch verstreichen ein paar ewige Sekunden, dann ist es da.
Die Hausglocke lãrmte los, bõse und schrill, als ob sie keife. Hffi hatte sich aufgesetzt und preßte die Hãnde aufs Herz. Der Mond war verschwunden. Es mußte knapp vor der Morgendämmerung sein. Der Himmel begann sich fahl zu verfärben.
Das Läuten riß endlich ab. Vielleicht war es doch nicht für mich? Aber da kamen schon Schritte die Treppe her- auf. Onkel Helmuts Stimme wurde laut:«Hans! Hans, auflv
Effi legte einen Finger an den Mund. Sie hatte ihre spöt- tische, etwas schnodderige Haltung wiedergewonnen. Bleibl» bedeutete sie mir. dIch will ihn erst einmal...»
Weiter kam sie nicht. Es wurde an die Tür geklopft und fast im gleichen Augenblick aufgemacht.
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