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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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(Effi. Auch Onkel Helmut blich mitten im Satz stecken. Er stand da in einem langen, zerknitterten Nacht- hemd und türkischen Pantoffeln, die Lippen karpfenhaft gerundet, die Haare vom Schlaf feucht und verfilzt. In der einen Hand hielt er den Hausschlüssel, in der andern ein Telegramm.

Effi raffte mit einer leichten Bewegung die Bettdecke über ihre nackte Brust und sagte: Wirst du so lieb sein und dich für einen Moment zurückziehen, Vater? Ich mache mich gleich fertig. v

Onkel Helmut schüttelte den Kopf, als habe er nicht verstanden. Sein Blick irrte von Effi zu mir, zurück zu Effi und schließlich zu seinen eigenen Füßen. Die Tränen- sãcke unter seinen gerõteten Augen waren dick geschwol- len; die Schnurrbartspitzen hingen hinunter.

(Bitte, Vater, geh für eine Sekunde hinausꝰ, wiederholte Effi. Sie sprach in dem Ton, in dem man kranken Kindern gut zuredet.

Onkel Helmut nickte und war schon daran, von der Schwelle zurückzutreten, als ihm das Telegramm einfiel. Er schwenkte es aufgeregt.«Sie haben den Heydrich...v Er verbesserte sich hastig: Der Reichsprotektor ist meuch- lings angeschossen worden. Hans muß sofort zu seinem Truppenteil zurück.v Onkel Helmut hatte bisher mit er- zwungener Ruhe gesprochen, den Blick auf seine bunten Pantoffeln gerichtet. Jetzt schaute er auf. Das Blut schoß ihm zu Kopf. Er brüllte:«Und in einer solchen Stunde muß ich meine Tochter so finden! Wenn das deine Mutter erlebt hätte, Effi.. Und auch du, Hans, ich hatte dich für einen Ehrenmann gehalten. Mit der Schwester der eigenen Brau, und die Frau liegt im Kindbett! Versinken müßtet ihr beide, in die Erde versinken!

(Gewiß, Vaterv, unterbrach ihn Effi, caber jetzt laß uns aufstehn. v

Onkel Helmut schõpfte tief Atem wie zu einer langen

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