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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Aber das muß ich euch doch noch in aller Eile erzäh- lenv, meinte sie dann und rũckte nãher an den Tisch. Also heute in aller Herrgottsfrühe ruft mich meine Schwägerin Rotraut an, ihr wißt doch, die Frau von meinem jüngsten Bruder, dem Sonderberichterstatter vom, Neuen Tag'. Sie ist noch ein blutjunges Ding und erwartet doch schon das Dritte. Dazu dann der Erbhof, den sie sich zugelegt haben, das alles ist keine Kleinigkeit bei den heutigen Zeiten. Also, sie ruft mich an, ganz außer sich, erbost und ratlos: das russische Stubenmãdchen, das seit April bei ihr ist, hat sich im Schuppen mit der Sichel umgebracht. Ein Glück nur, daß Rotraut eine so starke Natur besitzt. Sonst, bei ihrem Zustand... Aber natürlich, einen Stoß hat es ihr schon ge- geben. Und dann machte sie sich auch wegen der behörd- lichen Scherereien Sorgen. Nun, ich habe ihr versprochen,

hinauszukommen und ein pbißchen nach dem Rechten zu

schen. Mein Mann erledigt unterdessen die Sache mit den

Behörden auf dem Parteiwege. Und eine neue russische

Arbeitskraft kann sie auch schnell wieder bekommen, das

ist heute weder schwierig, noch teuer. Aber freilich, wenn

sie wieder so eine Person kriegt, die nichts im Kopf hat als

Weinen und Ausreißen... Ja, es ist halt überhaupt ein

Kreuz mit diesem nichtdeutschen Arbeitsersatz. Meine

Ukrainerin zum Beispiel arbeitet zwar nicht schlecht, und

geschickt ist sie auch. Aber trotzdem, mein Haupt mõchte

ich in ihrem Schoße nicht zur Ruhe betten. Und erst auf so

einem Erbhof, wo man gleich mehrere von ihnen hat, dort müßte man eigentlich immerzu in der einen Hand das Wör-

terbuch und in der anderen den Revolver halten... Na, jetzt ist es aber höchste Zeit für mich. Auf Wiederschen! Heil Hitler!v f

Auf Wiedersehen, Frau Zem..., Frau Zeckendörffer lv Mutter schloß aufatmend hinter dem Besuch die Tür.«Nein, neinv, Sagte sie leise, anein, nein, neinv.

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