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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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erwarte. Es muß doch noch ein paar Trõpfchen in Frank- reich geben, haha, oder haben unsere Jungens dort das ganze Land schon trockengelegt? Das wäre für mich ge- radezu eine Katastrophe. Die Flasche, der wir heute den Hals gebrochen haben, war leider eine der letzten ihres Stammes in meinem Keller. Aber wenn der Soldatenvater meines ersten Enkelsohns auf Urlaub kommt, muß das doch würdig begossen werden 1*

Jetzt war es an Frau Zeckendörffer, mich mit einem Schwall von Begrüßungen und Fragen zu überschütten. Aber plõtzlich unterbrach sie sich:«Mein Gott, da ver- schwatze ich mich, und soll doch zu meiner Schwägerin hinaus nach dem Erbhof. v

Resi protestierte: Aber Hildegard, du wirst uns doch nicht die Ruhe hinaustragen wollen, nein, nein, du trinkst ein Täßchen Melta-Kaffee mit uns... Es ist doch noch eine Tasse da, Friederike dv

Mutter hatte bereits ein Kaffeegedeck aufgelegt. Aber natürlich, Frau Zemlitschka... ach Gott, jetzt hab ich's wieder durcheinandergebrachtꝰ, verbesserte sie sich und das gemischte Lächeln flog abermals über ihr Gesicht, doch kam mir vor, als sei diesmal auch etwas Bosheit hineinge- mengt,(man ist halt so gewöhnt an den alten Namen, nicht Wahr?ꝰv

Resi(deren leidend verdrehte Augen hinauf zur Decke zu sprechen schienen:«Mein Gott, wie taktlos) lenkte ab: cch habe nicht gesüßt, Hildchen. Ich weiß, du trinkst den Kaffee lieber bitter. Komm, mach dir's endlich bequem, Kindchen!v

Doch Frau Zeckendörffer blieb weiter auf der Ecke ihres Stuhles sitzen, daß es aussah, als müsse sie jeden Augen- blick hinunterrutschen, und sie nahm auch nur einen An- standsschluck von dem Melta-Gebrãu. Nein, sie kõnne un- mõglich länger bleiben. Sie sei sozusagen halbamtlich un- terwegs.

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