Er rãusperte sich und schwieg. Es entstand eine kleine Stille. Dann sagte meine Mutter mit einem Seufzer: aAch ja, der Krieg ist schon himmelschreiend. Das dürfte nicht mõglich sein. Wann wird das nur ein Ende nehmen?» Sie fuhr sich über die Stirn und kehrte zu einem Gedanken zurück, der ihr offenbar immer wieder zu schaffen machte. aIch denke mir halt- wenn ich meinen Jungen rate: nehmt nur nichts von fremdem Gut— lieber ohne Hemd als im Totenhemd; und wenn ich nicht hingehe und einen Ge- fangenen kaufe, dann wird es sicher auch drũben Mütter geben, die es ähnlich machen.
Onkel Helmut trommelte ungeduldig mit den Fingern auf sein Glas.«Liebe Friecke, ich versichere dir, du be- findest dich da in einem grundlegenden Irrtum... Und ũberhaupt, was heißt denn: Gefangene Aauſen? Die Summe, die du für einen Gefangenen bezahlst, ist eine Amtshand- lungsgebühr. Die kriegt der Staat für die Arbeitsvermitt- lung. Na, und daß Gefangene arbeiten dürfen, ist eine glatte Wohltat für sie. Das gilt auch für die Zivilgefange- nen, die auf diese Weise unter zivilisierte Menschen kommen. Im Vergleich mit den Zuständen, die sie bei sich zu Hause haben, geht es ihnen hier bei uns geradezu großartig. Oder was glaubst du, wie diese Leute zu leben gewohnt sind ꝰv
Sehr richtigꝰ, stimmte ihm Resi voller Eifer zu, da hat doch erst vor paar Tagen die Reichsfrauenleiterin über ihre Fahrt durch das eroberte Ostland geschrieben. Also was die dort gesehen und erlebt hat... wie die Pörfer und Stãdte zugerichtet sind, einfach schauderhaft! Und die Ein- geborenen hausen lieber in den Sümpfen und Wãldern wie die Räuber, anstatt Vernunft anzunehmen und sich etwas deutsche Zucht beibringen zu lassen. Es schüttelt einen ordentlich beim Lesen. Wartet mal, ich hab's doch noch bei mir.v
Sie kramte in ihrer Handarbeitstasche herum, förderte
125


