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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
121
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Nerven zugrunde zu richten und die Fũhrung der Haushalt- geschäfte zu erschweren. Ihre Jeremiaden liebte sie mit dem Satz zu schließen: Dienstschragen sind die achte Plage. v

Die kürzlich verfügte Mobilisierung der Hausgehilfin- nen für die Arbeit in den Waffenfabriken hatte Resi von der Dienstbotenplage befreit, doch das schien ihr erst recht zu mißfallen.

Im Tone einer mißverstandenen Märtyrerin beklagte sie sich darũber, daß ihre Pläne, eine polnische oder russische Arbeitskraft ins Haus zu nehmen, von meiner Mutter mit obstinater Hartkõpfigkeit vereitelt würden.«Dabei haben die Behörden die Verwendung von Gefangenen für Haus- haltdienste ausdrcklich gutgeheißen, und man kann jetzt eine ziemlich kräftige Person für zehn bis fünfzehn Mark kriegen. Sie sind auch nicht alle verlaust und dreckig, und schließlich gibt's ja die Entlausungsanstalt. Bei Prokesch zum Beispiel haben sie einen Burschen aus Litauen , der ist beinahe adrett zu nennen, wartet ganz richtig auf, wenn sie Gãste haben, und Frau Zeckendörffers Ukrainerin kann sogar schneidern. Aber deine Mutter, Hans, hat sich's nun mal in den Kopf gesetzt, daß wir alle Arbeit ohne Hilfe machen sollen. v

Mutter lãchelte ein wenig nachsichtig und ein wenig ge- plagt. Nein, ich will keine Gefangenen hier haben. Wozu auch? Pas wãre ja noch schõner, wenn wir mit der Arbeit nicht zu Rande kämen: vier Frauen in einer so klein gewordenen Familielv

(Ach, das ist ja gar nicht der wahre Grund?, versetzte Resi und gestikulierte heftig mit ihrem spitzen Zeigefinger, von dem man sich im Familienkreis erzãhlte, daß er ihr als Schusterahle bei der Verfertigung der türkischen Pantof- fel diene, die sie Onkel Helmut alljãhrlich zu Weihnachten schenkte.«Nein, das ist gar nicht der wahre Grund! Ge- steh es nur ein, Friederike, du hast dabei deine Hinter- gedanken.v

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