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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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(Das mag schon seinv, gab Mutter zurück. aIch kann mich eben nicht dran gewöhnen, daß man einen Christen- menschen für zehn oder fünfzehn Mark kauft wie die Moh- ren in Onkel Toms Hütte.» Sie bemühte sich, den letzten Worten einen scherzhaften Ton zu geben, aber es klang nicht sehr lustig.

Auch Resi ließ nicht so schnell locker. Wieso denn Christenmenschen d» fuhr sie auf; das Medaillon mit dem Hitlerbild tanzte auf᷑ ihrem altjüngferlichen Busen.«Da muß ich entschieden Verwahrung einlegen, Friederike! Polen und gar Russen sind ganz einfach Untermenschen. Ich denke, das hat dieser Krieg zur Genüge bewiesen. Und falsches Mitleid mit ihnen haben, heißt nur, sich am eige- nen deutschen Volk versündigen.v

Effi versuchte, sich ins Mittel zu legen:«Könnten wir diese haarigen Probleme nicht lassen, heute, wo wir Hans zu Besuch haben d»

Haarige Probleme? Na, aber... Und überhaupt, was ist das für eine Ausdrucksweise, Effi dv Resi stieß beinahe das Soßeterrinchen um, so heftig drehte sie sich zu ihrem Schwager hin.«Und du, Helmut, hörst dir ganz ruhig an, was deine nãchsten Angehörigen da an Ansichten äußern! Wirklich ein gelungener Familienvater, Alter Kämpfer und Vormund von deutschen Jungen, die den Rock des Füh- rers tragen!v

Onkel Helmut hatte bisher seine Aufmerksamkeit mehr dem Essen und Trinken als dem Tischgespräch zugewen- det. Jetzt jedoch liefen seine Burgunderbacken lila an. Therese, ich muß dich schon bitten...v Er legte Messer und Gabel nieder und lockerte die um den Hals gebundene Serviette. Also, ich muß dich schon bitten,ir die Ent- scheidung darũber zu überlassen, wann und wie ich ge- wissen fragwürdigen Meinungen am Familientische ent- gegentrete. v

Onkel Helmut holte tief Atem. Es war klar, daß er sich

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