entfuhr mir eine Andeutung über Onkel Helmuts Klage, daß sie sich den Tod von Lutz allzusehr zu Herzen nehme. Sie legte die Flickarbeit mit einer heftigen Bewegung weg. cSo dv rief᷑ sie, cach, ich weiß schon, was er will. Ich soll die Heldenmutter spielen. Das will er. Nein, nein!» Die Worte wurden in einem Ton gesprochen, den ich bei Mut- ter nur ein einzigesmal gehört hatte, vor Jahren, bei einer jener großen Auseinandersetzungen über die ,unmögli- chen tschechischen und bolschewistischen Freundschaften“ meiner Schwester Barbara. Onkel Helmut und meine Brü- der waren damals in Mutter gedrungen, völlig mit Barbara zu brechen und nicht einmal mehr Briefe von ihr zu emp- fangen. Aber Mutter, die sonst immer den Wünschen Onkel Helmuts nachgab, hatte sich plõtzlich barsch und entschieden aufgelehnt:«Nein, nein. Ich verstehe nichts von all diesen Sachen, die ihr Barbara vorwerft, und ich will von der ganzen Politik nichts wissen. Aber Barbara ist und bleibt mein Kind. Was hat es mir schon genützt, daß ich immer nur getan habe, was die andern wollten? Nein, meine Tochter soll sich ihren Weg im Leben nach ihrem eigenen Willen wählen, und wenn sie's falsch macht, dann weiß sie wenigstens, wie sie dazukommt. v Dabei war es geblieben, und man hatte nie wieder versucht, Mutter umzustimmen.
Frinnerte auch Mutter sich in diesem Augenblick an damals? Es mußte wohl so sein, denn sie sagte, den Blick immer noch auf die zwei Gräberphotos gerichtet:«Und von Barbara hab ich jetzt auch schon ein Jahr lang nichts gehört, was für eine Welt!v
Sie stand hastig auf und strich ihre Schürze glatt. Na, nun ist es aber höchste Zeit fürs Abendessen, wir dürfen die Knõdel nicht noch länger warten lassen lv Sie lãchelte. ¶Ja, es gibt Hefenknõdel. Dir zu Ehren, Hansl. Aus weißem Mehl.
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