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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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gefährlich sei. Man liest ja immer wieder von dieser ver- steckten Feindseligkeit der Tschechenv, klagte sie,«mein Gott, wann wird das einmal ein Ende haben? Wann wer- den die anderen Völker endlich aufhören, uns zu hassen? Ach, warum hat man alle diese Tschechen und Polacken und Serben und Russen nicht lieber in Ruhe gelassen? Was wãre uns da nicht alles erspart geblieben. Aber so was darf man ja heute kaum noch in den eigenen vier Wãnden denken, ach ja. v

Und dann erzãhlte Mutter von Gerhard, der jetzt sel- tener schrieb als früher, seltener und in zunchmend grim- miger Laune, aber nach wie vor ũberzeugt, daß wir diesen Krieg gewinnen mußten, auch wenn wir vielleicht noch zehn Jahre weiterzukämpfen hätten. Und dann kam Kurt an die Reihe, der Windbeutel, der sich nicht recht ent- scheiden konnte, oh er nun sein Ansuchen um Versetzung zum Afrikakorps betreiben, oder lieber im Osten bleiben solle, um gleich an Ort und Stelle zu sein, wenn nach dem Siege die große Landzuteilung an Offiziere und Unter- offuiere stattfinde. Unter einem Großgut mit Jagd und Fischerei wolle er es nicht machen.«Als ob das so einfach wãreꝰ, seufzte Mutter, dund überhaupt...v Sie klopfte schnell auf Holz, um etwaiges Unglück von Kurt abzu- wehren.

Schließlich kam sie auch auf Lutz zu sprechen. Sie tat es in einer ruhigen Weise. Ich hatte den Eindruck, daß sie seinen Tod hinnahm, still und schon daran gewöhnt, vom Leben immer wieder mit unverstãndlichen Prüfungen und harten Schlägen bedacht zu werden.«Ja, nun liegt er auch schon unter der Erde, irgendwo weit weg, genau so wie sein Vater, meinte sie und blickte zur Wand hinüber. Dort hingen jetzt zwei schwarzgerahmte Photographien nebeneinander: die schon vergilbte, im Jahre achtzehn vor Verdun aufgenommene, und eine neue vom Imensee.

Ich versuchte, Mutter etwas Trõstliches zu sagen; dabei

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