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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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mir gesagt, Herr Stabsleiter, Ihr Enkelsohn hat sich gehal- ten wie ein Leibstandartenmann beim Präsentieren. Wenn das nicht mal ein Kerl wird, will ich keine Geburtszange mehr anrühren! hahaha. Na, wie findest du das, Hans? Regt sich nicht der Vaterstolz in dir, hohodv

Vor dem Bahnhof hielt ein mit zwei Schimmeln bespann- ter Landauer. Auf dem Wagenschlag prangte das Stadt- wappen. Tja, hätten wir's nicht, so tãten wir's nicht, Hert Schwiegersohn, meinte Onkel Helmut schmunzelnd. Ich bin nämlich jetzt Bürgermeister-Stellvertreter und Stabs- leiter der Kriegsopfer-Fürsorge, und da steht mir natürlich ein Dienstwagen zu. Ich könnte sogar eines von den Autos haben, aber in Anbetracht der Kriegsverhältnisse begnüge ich mich mit der Pferdekraft in natura, haha.» Er beant- wortete das Hackenzusammenschlagen des Kutschers, eines eisgrauen Mannes in einer Art Feuerwehruniform, mit mar- tialischem Stockschwenken und befahl: Fahren Sie durch die Talstraße und langsam, wir wollen Reifen und Pferde schonen: der junge Vater hier kann Frau und Stammhalter heute sowieso nicht mehr schen... Anneliese ist nämlich noch im Krankenhaus, und da sind Besuche nur vormittags zugelassenv, wandte er sich erklãrend zu mir.

Diese Erõffnung ũberraschte mich, war doch in den letz- ten Briefen Annelieses immer davon die Rede gewesen, daß sie zu Hause entbinden werde, wie es heutzutage, bei dem Mangel an Hospitalraum, die Pflicht jeder gesunden deut- schen Mutter sei.

Onkel Helmut erriet meine Gedanken und kam einer Frage zuvor. Nein, nein, mit Anneliese und dem Kind gehe alles in Ordnung, und natürlich habe sie die Geburt zu Hause abmachen wollen, aber die Frauenschaftsleitung sei dazwischen gekommen. Anneliese werde nämlich als Sonderbeauftragte der Fachschaft Kõrpererzichung so drin- gend gebraucht, daß unbedingt alles getan werden müsse,

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