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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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um das früheste Wiederantreten im Dienst zu ermög- lichen. Eine Krankenhausentbindung habe infolgedessen im Interesse der Bewegung gelegen. Anneliese sei freilich bis zum Schluß dagegen gewesen. Kein Wunder, bei ih- rer Auffassung von Selbstzucht und Einordnung! Sie wollte unter allen Umstãnden die Wehen tragen wie ein Sol- dat seine Strapazen. Na, schließlich hat sie sich dann doch ũberreden lassen, ich wãre sonst einfach dienstlich gewor- den, hoho. Zu Hause hätte es ohnehin eine schöne Kalami- tãt gegeben, mit zwei Frauen im Bett... Ach so, du weißt noch gar nicht, daß deine Mutter bettlãgerig ist... nein, nichts Ernstes, nicht mal der übliche Brustkatarth, sondern eine Sache mit den Nerven. Sie lãßt sich den Tod von Lutz zu nahe gehen. Natürlich, das Mutterherz ist mal so, und ich als ihr Bruder und als Stabsleiter der Kriegsopfer-Für- Sorge habe dafũr vollstes Verstäãndnis, andererseits gibt es ein paar hunderttausend deutsche Frauen, die in diesem Krieg weit mehr geopfert haben als deine Mutter, und de- nen es auch sonst viel schlechter geht, und die trotzdem den Kopf hochhalten. Nein, nein, Schlappmachen oder Sich-gehen-lassen kann heute niemandem gestattet werden. Niemandem, sage ich, und am wenigsten einem von uns. Die Namen Holler und Hoffmann verpflichten. Wir sind schließlich nicht eine xbeliebige Familie; von uns wird Beispiel, Führung und Verantwortungsbewußtsein ver- langt, besonders in einer so schicksalhaften Zeit, wenn es sich um Sein oder Nichtsein des ganzen Volkes, der gan- Zen nordischen Rasse handelt, und wenn deshalb alles dar- auf ankommt, aus der Heimatfront die gleiche letzte Ein- Satzbereitschaft und fanatische Opferwilligkeit herauszu- holen, wie wir sie im Felde, bei unseren braven Truppen, in so hervorragendem Maße finden. v.

Onkel Helmut sprach mit erhobener Stimme; die R- Laute rollten wie Salven; sein Jãgerhut hatte sich nach hin- ten verschoben, eine Locke fiel in die Stirn. Er war ganz in

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