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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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Schatten datunter. Ich nahm sie schnell um die Hüfte und gab ihr einen flüchtigen Kuß auf die Stirn.

«Hu, was für ein Kasernengeruch nach Tabak und Le- der lv rief sie und verzog die Nase, gleichzeitig jedoch preßte sie sich an mich und küßte mich zurück; ihre Lippen streiften meine Wange und meinen Mund. Es verschlug mir etwas den Atem.

Indem klopfte mir Onkel Helmut auf die Schulter und trompetete: Hei! Hitler! Willkommen, mein Junge! Will- kommen in der Heimat! Na, wie fühlst du dich als Vater, hoho? Er befand sich offensichtlich in ãußerst gehobener Stimmung. Sein grauer Sportanzug mit Hirschhornknõp- fen und grünen Rockaufschlägen, dazu die Sudetenbefrei- ungsmedaille und das Veteranenabzeichen gaben ihm ein halpmilitãrisches Ausschen Major in Zivil oder so was. Diesen Effekt hatte er zweifellos sorgfältig einstudiert und er genoß ihn nun mit Wonne. Seinen prallen Wangen und seiner blũhenden Nase mit den Burgunderäderchen waren keinerlei Kriegsnõte anzuschen. Die emporgedrehten Spit- zen des fuchsigen Schnurrbarts verkündeten unentwegten Immer-drauf-los-Optimismus. Der Bergstock wurde mit der Spitze nach oben getragen wie ein gezogener Säbel, und in jedem Schritt wippte jene Elastizitãt, die von ãlteren Parteigrõßen in der Provinz beim Abschreiten eines Fhren- sturms an den Tag gelegt wird.

Onkel Helmut füllte die kleine Bahnhofhalle mit seinen schallenden Hohos und Hahas:«Na, wie fühlst du dich, hohod Angenchme Reisegesellschaft gchabt, haha? Um es gleich vorweg zu sagen: Anneliese und der Bub sind in ta- delloser Verfassung. Der Junge ist übrigens heute schon ein richtiger Hitlerpimpf, haha. Das wird mal ein Soldat, kann ich dir versichern, zickezacke, hoho! Nach der Ge- burt hat er stillgehalten, nicht gemuckst, bis vom Assistenz- arzt, Rührenl kommandiert wurde, erst dann hat er losge- brüllt, jawollja...Herr Stabsleiter, hat der Primarius zu

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