Die Mutter blieb ungläubig.«Nein, aber wieso denn?v Mit einemmal geriet sie in Aufregung.«Und wie stellen sie sich eigentlich vor, daß man die Kinder durchbringen soll in dieser Zeit? Ohne Kleider? Ohne Wäsche? Ohne Seife? Wenn sie schon die Erwachsenen draufgehn lassen, na gut, die haben's schließlich verdient; aber die Kin- der... v Sie brach mitten im Satz ab; kroch in sich zu- sammen wie eine Schnecke.
Die Junge warf einen erschreckten Blick auf᷑ die ũbrigen Passagiere. Die saßen taub und stumm da. Es war nur der keuchende, drõhnende Lärm des Zuges zu hören, und zwi- schendurch das Tanzen des Stocks, mit dem der Mann hinter dem Wettermantel auf den Boden klopfte.
Ein Gefühl der Unruhe wollte sich meiner bemächtigen, aber das Verlangen nach Schlaf war stärker. Ich lehnte mich in meine Ecke zurück. Noch bevor ich mir etwas Weiches unter den Kopf geschoben hatte, fielen mir die Augen zu.
Ich träumte, daß ich zu Hause in R... und wieder ein Junge war.
Die großen Ferien hatten eben begonnen. Auf den Wie- sen lag das erste Heu; darũber schaukelten die Kohlweiß- linge und summten die Hummeln. Ich spielte mit Anne- liese und meinem Bruder Kurt auf dem Hũgelhang hinter der Stadt, wo es um diese Zeit immer nach Erdbeeren riecht und nach Fierschwämmen aus dem nahen Wald. Anneliese flocht aus Blumen und Federn einen indiani- schen Kopfschmuck, den derjenige von uns zweien be- kommen sollte, der ihr etwas zum Naschen brächte. Kurt begann auch gleich, Hummeln zu fangen. Das ging ganz geschwind, Kurt hatte eine große Ubung darin. Er riß die gefangenen Brummer bei lebendigem Leib auseinander und reichte ihre mit Honig gefüllten Hinterteile Anneliese zum Aussaugen hin.
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