von ihnen konnten noch erreicht und zurückgeholt wer- den. Auf Befehl eines hinkenden Oberstleutnants von der SS. Hauptkommandantur, der wohl den ganzen Empfangs- rummel ausgedacht hatte, mußten wir selbst mit Hand an- legen. Es war keine leichte Arbeit. Die Unteroffiziere und Offiziere trieben uns unablãssig an. Wir waren schon vor- her übernächtig und müde gewesen. Zu allem andern setzte auch ein Platzregen ein.
Erschõpft und verschmutzt konnten wir endlich in der Morgendãmmerung den Rückmarsch antreten. Niemand Sprach ein Wort. Plõtzlich fing Seelke zu fluchen an. Er hatte auf seiner Uniformjacke den Abdruck einer Kreide- zcichnung entdeckt: ein Kreuz und die Jahreszahl 1918. Hastig putzte er die Kreidestriche weg. Dabei fluchte er ohne Unterbrechung weiter. Seine Stimme klang ent- stellt— hoch und weinerlich.
Klobocznik gab ihm einen Rippenstoß.(Mensch, hör blo auf! Was ist schon dabei? Einer von den tschechi- Schen Halunken hat sich einen guten Tag aus dir gemacht, da brauchst du nicht hochzugehn deswegen. Und wie du aussichst! Wie'n aufgewärmter Leichnaml*
Aber Seelke ging auf᷑ Kloboczniks witzelnden Ton nicht ein. Fin weißes Kreuz vor Sonnenaufgang, noch dazu auf der eigenen Kluft, sei ein verdammt schlechtes Vorzeichen. Pabei blieb er und steckte uns andere langsam, aber sicher mit seiner verstockten, dumpfen Schwarzseherei an. Mür- risch und wütend rũckten wir ins Quartier ein. Wer uns
so sah, mußte wohl an ein Pack verprũgelter bissiger Hunde denken.
Kaum hatten wir abgeschnallt, als ein Melder erschien und bekanntgab, daß Gruppe Klahde in zwei Stunden zum Wachdienst anzutreten habe. Ich wurde vorher noch in die Kompaniekanzlei befohlen.
Warum denn dv fragte ich den Melder.
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