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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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auf seinem Sitz hin und her, offenbar im Zweifel, ob er sich über Seelkes Worte entrüsten oder lustigmachen solle; schließlich preßte er wieder sein blechernes Lachen her- vor, rũckte ganz dicht an Seelke heran und kniff ihn in den Arm.

Hör mal, Alterchenꝰ, begann er unbefangen, awas ich übrigens fragen wollte: welche von den Frauen war es denn Die dũnne, rothaarige ꝰv

(Nein, die große.v

Was d Rede doch kein Blechv, schrie Dietz.

Seelke entrüstete sich. Was heißt da Blechdv

Na, weil die doch nicht so kleine Füße gehabt haben kann. v

Hat sie aber gehabt.»

(TsSSv, machte Dietz.

Ich hatte auf einmal die Empfindung, daß mir etwas im Nacken sitze. Ich drehte mich um und blickte in die zu- sammengekniffenen Augen Maurers. Sie erschienen mir be- sonders hell in dem hartgezeichneten Gesicht, das von der ihm eigenen Verschlossenheit wie von einem Schatten ver- dunkelt wurde. Wie schon ein paar Mal zuvor, fragte ich mich vergeblich, was sich hinter diesem Schatten verberge.

Indem sagte Dietz:«Junge, also wenn ich gewußt hätte, daß sie So kleine Füße hat, da wãre ich ihr vorher noch...»

Ich duckte mich unwillkürlich, in der Erwartung, daß etwas geschehen, von Maurer her geschehen werde, aber es war Chabrun, der plõtzlich losfuhr: er verbiete sich jedes Gezote, wir seien schließlich Soldaten, nicht Zuhälter, und die Uniform verlange von jedem, daß er den inneren Schweinehund an die Kette lege; das habe nichts mit Weich- heit oder Sentimentalität zu tun, und wer daran etwa zweifle, sei freundlich eingeladen, einen solchen Zweifel zu äußern.

Bei den letzten Worten wechselte Chabrun in seiner ab- rupten Art den Ton, wurde leise, eisig und hõflich. Er blin-

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