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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Seelke wackelte verständnislos mit dem Kopf, brummte etwas Mißbilligendes vor sich hin und griff Schließlich nach dem prallen Brotbeutel, dessen Inhalt er sich in den Schoß schüttete. Es waren Schuhe, fünf oder sechs Paar, große und kleine, für Mãnner und für Frauen, alle alt und mit Lehm beschmiert. Seelke nahm einen Schuh nach dem an- dern in die Hand, drehte ihn hin und her, prüfte Oberleder, Absätze, Sohlen. Seine Jungenstirn legte sich dabei in an- gestrengte Falten.

Dietz, der Seelke schon seit einer ganzen Weile beobach- tet hatte, schlug ihm auf die Schulter und rief:«Na, da hast du ja wieder mal was Großartiges geerbt, zeig herlv Er grif᷑ nach dem Schuh, den Scelke gerade in der Hand hielt, doch Seelke ließ nicht los. Dietz prach in ein schepperndes Lachen aus.«Hast wohl Angst um deinen Trödelladen, was? Keine Sorge! Ich mõchte ihn nicht nachgeschmissen haben.

Kriegst ihn auch gar nichtꝰ, gab Seelke zurück, daber warte bloß, wie die Schuhe ausschn werden, wenn ich sie erst mal in Bchandlung genommen habe. Besonders die praunen da. v Er warf den Kopf nach hinten, Schnalzte und plinzelte selig, als genieſe er einen besonders guten Trop- fen. Wirklich, das Frauenzimmer, dem sie gehört haben, ist mit ihrem Schuhwerk nicht schlecht umgegangen. Alles, Was recht ist. v

Dietzens Nase blãhte sich. Er pekam sein Dachshundge- sicht. Ach, was du nicht sagst?v nuschelte er mit einem Schiefen Grinsen, amir scheint, du hast für die Person was übrig gehabtꝰv

Seelke schoß ihm, über den Brillenrand hin, einen kurzen Scharfen Blick zu.(Bei dir piept's wohl, Junge? Aber wenn du willst, kannst du ein Prõbchen von dem abbekommen, was ich für H. K.Kunden übrig habe.»

Das wurde trocken hingeworfen, aber doch mit einem Unterton, der Dietz aufhorchen ließ. Er wetzte eine Weile

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