verregnetes Fenster hinaus in eine Welt ohne Grenzen, ohne feste Formen— in eine Schattenwelt. Und klar blieb nur die Erinnerung an ein zwiespältiges, aus Grauen und etwas wie Verzückung gemischtes Gefühl, das mir die Kehle zusammengepreßt und den Magen umgestülpt hatte.
Nicht anders ergeht es mir jetzt, wenn ich schildern will, was sich weiter bei jener VUnternehmung S 5 ereignet hat: das Gedãchtnis setzt aus, alle Umrisse verschwimmen, und bloß fließende Schatten sind da.
Nur wie durch ein verregnetes Fenster sehe ich unsere Gruppe auf der Chaussee antreten; sche ich uns unter Klah- des Führung querfeldein marschieren und ausschwärmen und die Zugangswege zu einer Fabrik-Siedlung abriegeln, wãhrend Totenkopf-SS. in alle Gebãude eindringt, Haus- rat durch die Fenster auf die Gasse wirft, die Kinder an ei- nem Ende der Siedlung zusammenherdet und die Erwach- senen nach dem andern Ende, zu den Holzschuppen jagt, in denen die Verhõre stattfinden sollen.
Nur wie in einer weiten Ferne, undeutlich und schatten- haft, sche ich Scelke und mich vor einem Holzschuppen VWache stehen; aus dem Schuppen dringen die Schreie der Verhörten heraus— Schreie, die mir die Kehle zusammen- pressen und den Magen umstũlpen; ich trete hinter einen Baum, um mich zu erleichtern, aber Scelke meint: Mensch, fang nicht erst an mit so was. Das nũtzt einen Dreck. Halt die Ohren steif, oder stopf dir Watte hinein, das nützt. v (Und ich hasse Seelke und den Pienst und mich selber; ich hasse die ganze Welt, und ich gehe nun erst recht hinter den Baum— aber das ist auch alles.)
Ja, bloß wie in der Erinnerung an einen wirren Traum sche ich schließlich abends Klahde mit Seelke, Klobocznik und Dietz noch auf᷑ einen Leiterwagen steigen, der die letzte Fuhre zerschlagener halbtoter Körper auf Himmelfahrt mitnimmt.(Und wieder fãllt mich der Hkel an: vor mir sel-
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