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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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Zesten Grashalm ziche, habe das gefangene Büffelkalb zu tõten.

Das Los fiel auf mich. Kurt ũbergap mir das Tierchen, das sich anfühlte wie ein Daunenball mit einem rasend Schlagenden Herzen. Dann verlangte er mein Taschenmes- Ser zu Schen, fand die Schneide viel zu stumpf᷑ und begann sie an einem Stein scharf zu schleifen.

Anneliese tanzte wãhrenddem unter seltsamen Verren- kungen um uns herum, mit geweiteten Augen, die mir Angst machten; dabei plãrrte sie das Blutlied der Huronen einen monotonen Singsang in einer erfundenen Sprache, unterbrochen von durchdringenden Schreien.

Mir war schwindlig. Ich hatte nur einen Wunsch: ¶Aus- reißen. v Aber ich sah, daß Kurt, der offenbar so etwas arg- wöhnte, verstohlene Zeichen mit Anneliese austauschte, und ich wußte, daß sie beide über mich herfallen würden, Sowie ich eine verdãchtige Bewegung machte. Meine Hände wurden naß. Ich fürchtete, daß der Hase mir entgleiten kõnne, und umklammerte ihn mit aller Kraft. Er quietschte auf, ließ Wasser, bãumte sich, rutschte mir plõtzlich durch die Finger und...

Das Nächste, woran ich mich zu erinnern weiß, ist ein wildes Rennen durch den Wald. Wir liefen alle drei, als ob wir gehetzt würden; wir strauchelten, fielen, sprangen wie- der auf und rannten von neuem los, bis wir nicht mehr weiter konnten. Bis wir uns keuchend ins Moos warfen und liegen blieben, dicht beieinander und doch jeder vom andern abgewandt.

Ich hatte den kleinen Hasen totgemacht. Ich war auf das Tier, als es mir entglitt, wie von Sinnen losgesprungen und hatte es zertreten. Doch wie das alles im Einzelnen vor sich gegangen war, was Kurt und Anneliese dabei getan hat- ten, das wußte ich nicht. So oft ich Spãter auch versuchte, mir das Geschehene ins Gedächtnis zurückzurufen, ich kam damit nicht zurande; es war, als blicke ich durch ein

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