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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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denburg und der Kõnige von Preußen... wir sind nãm- lich gut preußisch, so alt wie Preußen selbst, wenn wir auch mal Emigranten aus Frankreich gewesen sind. Ja- wohl, Emigranten, aber bitte, nicht etwa von der Sorte, die vor der Revolution Reißaus genommen hat. Nein, Herr, wir Chabruns sind nicht vor irgendwelchen Sans- culotten ausgerũckt; wir haben als hugenottische Kava- liere das Feld nur einem Kõnig geräumt.v Er hatte auch die ⁊weite Zigarette ausgeraucht und zerdrũckte den glim- menden Stummel umständlich mit einem Stück Holz. Eine feudale Institution, wie gesagt. Dabei ist es uns manchmal ganz dreckig gegangen. Mein Urgroßvater zum Beispiel hat nach den Kriegen gegen Napoleon nichts im Besitz gehabt als einen Bocksattel, zwei Paar silberne Epauletten, seinen Stammbaum und den Anspruch auf fünf Taler monatlich Halbsold... und trotzdem, trotz- dem, wenn ich mir so überlege, in was für einer rue de caque, zu deutsch mit Verlaub: total beschissenen Situ- ation sich sein Hert Urenkel heute befindet, in einer Welt, die Adeliges und Gemeines unterschiedslos in die Wurst- maschine der Historie stopft... v Er schwieg, z0g eine schmale goldene Uhr hervor, in deren spiegelblankem Peckel er sich mit mũder, belustigter Neugier betrach- tete. Seine Mundwinkel wippten dabei auf und nieder. Nicht schr imposanter Anblick lv schien diese Bewegung zu sagen, und ich erwartete eine Bemerkung in dieser Art. Poch es kam anders. Mein Vaterꝰ, begann er von neuem, chat mir anno achtzehn, vor seiner Abreise ins Feld, ein Bild geschenkt. Es stellte Landsknechte dar, die als ver- lorener Haufe zwischen den Schlachtreihen kämpften. Parunter hatte er geschrieben:In unserem Jahrhundert der Massen sind bloß wenige auserwählt, ein Schicksal zu haben. Und nur der ist ein wirklicher Mann, der sein Schicksal nicht wie eine Last trägt, sondern stolz wie eine Fahne. Denk immer daran mein Sohn! Und du sichst, das

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