normalen Tonfall bemerkte: Bon, Schwamm drüber. Setz dich. v
Er holte einen Tabaksbeutel und ein Heftchen mit Sei- denpapier aus der Tasche und rollte sich eine dũnne Zi- garette: schr geschickt, schr geschwinde und nur mit der ſinken Hand. Es nahm sich aus wie ein Zauberkunststück. Pann hielt er mir Tabak und Papier hin. Auch eine?» Er sah, daß ich beim Anrauchen nach der Flõte schielte, und ließ sie mich nãher anschauen. Es war ein schõnes Instru- ment— Bein und Ebenholz mit fein gravierten Silber- beschlägen, deren einer die Jahreszahl 1737 trug. Ja, dar- auf hat einer meiner Vorfahren im Siebenjährigen Krieg gespieltv, erklärte Chabrun, Rokokotänze und preußische Prãsentiermãrsche. Und ich stũmpere ihm manchmal nach, in der gleichen Manier. Er rauchte langsam, den Rauch tief einzichend. Du wunderst dich über mich, was? Ko- mische Figur, dieser Chabrun? Und nach einer kleinen pause: aIst auch wirklich so: ein biſichen komisch und ein bißchen... na, wie soll ich's nennen... anachronistisch qürfte wohl das Wort sein. Jaja, ich bin ein Anachronis- mus, um einige hundertfünfzig Jährchen zu spät auf die Welt gekommen.*
Mit einer spielerischen Gebärde warf Chabrun die zu einem winzigen Stummel abgerauchte Zigarette weg und drehte sich eine neue. Das rasche, geschickte Drehen schien ihm Spaß zu machen; er hielt die fertige Zigarette in die Hõhe und pbetrachtete sie lãchelnd, bevor er sie anzündete. Ich wollte etwas auf seine letzten Worte entgegnen, doch Chabrun winkte ab. Schweigend tat er einige Züge und fuhr dann fort:«Ja, wir Chabruns... Chabruns d'Astier de la Tarève, du siehst, wir zichen gleich eine ganze Hof- schleppe von Namen hinter uns her... also wir gechören rechtens in eine andere Zeit. Wir sind immer eine feudale Institution gewesen: Raubritter, Troubadoure, Küras- siere, Hauptleute und Oberste der Kurfürsten von Bran-
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