Ich widersprach: aUnsinn, was bildest du dir nur ein. v
Mlein Klobocznik ließ sich von seiner Ansicht nicht abbringen. Und kaum waren wir auf unserer Stube an- gelangt, verkündete er mit lauter Stimme:«Alles mal her- hören. Unser Neuer hier hat sich einen Polstersitz im Her- zen von Gerda Putz erobert. Na, was sagst du dazu, Dietz? Da kannst du einpacken mit all deinen Künsten. v
Oho. Wieso denn? Erlaube mal.v Dietz warf sich in Positur. Zwischen ihm und Klobocznik entspann sich ein hitziger Meinungsaustausch über die verschiedenen Mittel, die einem den Erfolg bei Frauen sicherten. Dietz schwor offenbar auf Talismane, besonders auf ein Bild der Leda mit dem Schwan, das er in seiner Zigarettendose mit sich führte.
Ich versuchte eine Weile den beiden zuzuhören, aber meine Gedanken schweiften ab. Gerda, Anneliese... nein, das war nicht das Richtige. Aber was war das Richtige? Wo war es ꝰ
Dietz und Klobocznik wurden immer lauter. Jetzt mischte sich auch Seelke in ihren Disput. Ich verließ die Stube, trat auf den Korridor hinaus.
Von irgendwoher kamen leise Töne geschwommen— Flõtentõne, wie ich erstaunt feststellte. Ich ging ihnen nach, die Treppe zum Dachboden hinauf. In einem mit Gerümpel angefüllten Winkel saß, die Beine untergeschla- gen, Chabrun und blies auf einer kleinen Flöte.
Die Melodie war verschnörkelt, sicher sehr alt. Chabrun Spielte primitiv, aber mit offenbarer Hingabe. Sein Gesicht hatte, soweit ich in dem herrschenden Zwielicht sehen konnte, einen an ihm ungewohnt weichen Ausdruck; es war ein Pagengesicht.
Aufgestört durch mein Kommen, legte Chabrun das In- strument weg und begann mit rauher Stimme zu schimp- fen, so unflätig, wie ich es bisher niemals gehört hatte. Ich stand noch ganz verblüfft da, als er schon wieder in seinem
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