tue ich auch getreulich. Nur, zum Henker, wie stellt man es an, sein Schicksal als Wurstpartikel stolz zu tragen gleich einer Fahne? Nebenbei, mein Vater wurde damals auf᷑ dem Wege zur Front von einem Lastwagen der Müll- abfuhr zerquetscht. Ah, bah, was ist das alles für ein blü- hender Irrsinnlv
Chabrun schnippte mit den Fingern, griff nach der Flõte und blies ein kurzes Stück. EHr nannte es„Sarabande für die Windspiele von Sanssouci? und fügte hinzu: Kom- poniert von Fridericus Rex und von ihm hõchstpersõnlich vor den nichtsahnenden Gesandten der fremden Mächte gespielt, wãhrend seine Truppen gleichzeitig die Feind- seligkeiten im Schlesischen Krieg eröffneten. Eine ganz reizende Kormposition.v Er schaute mich von unten her an, wobei sich zum erstenmal auch sein schweres Lid hob, und wiederholte den letzten trillernden Akkord der Sara- bande.
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Die Tage tröpfelten dahin. Wachestehen, Exerzieren, eine kleine Kneiperei in der Kantine, ein halbes Liches- abenteuer mit Gerda Putz im dunklen Lagerraum der Ba- taillonspost.
Sogar der Krieg schien zu schlafen. Die Heeresberichte meldeten„Nichts Neues'. Von einer Frühlingsoffensive war keine Rede mehr. Bruder Gerhard, der mit seiner Bat- terie an der finnischen Front lag, beschäftigte sich mehr mit Angeln als mit Schießen. Kurt wartete in seinem ukrainischen Bezirkskommando ungeduldig auf die Ab- kommandierung nach Lybien, zum Afrikakorps, wo er „ein bißchen mehr Abwechslung und Wirbel' anzutreffen hoffte. Und Lutz, Kommandeur einer Abteilung Waffen- SS. am Ilmensee , war wohl durch die Schneeschmelze, über die er in seinem letzten Brief so bitter geklagt hatte, immer noch verhindert, eine geplante Riesen-Partisanen- Jagd zu
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