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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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backene Küchelchen, steinhart und versalzen. So schnell stürzte sie sich nicht wieder in Unkosten, glücklicherweise. Ich mußte laut lachen. Ein Mann vom Küchendienst, an dem ich vorbeikam, sah sich kopfschũttelnd nach mir um.

An der Türe von Stube B 2 klebte ein Zettel, der verkündigte, daß hier ein Gefreiter und fünf Mann im Quartier lagen. Die Fünf war frisch über eine Vier ge- pinselt.

Ich trat ein. In der Stube war niemand. Ich hatte Muße, mich umzuschauen. Ein großer heller Raum. An den Längswãnden waren je drei Feldbetten und Spinde aufge- reiht. Eine in die Stirnwand eingelassene schwarze Tafel und mehrere Bilder für Anschauungsunterricht erinnerten daran, daß hier Schulkinder einmal das ABC gelernt hat- ten. Auf einem Fensterbrett standen Blumentöpfe mit Fuchsien, und in einer Ecke prangte sogar ein Schaukel- stuhl. Mle Möbelstücke waren weiß lackiert. Man konnte eher an eine Wanderherberge als an eine Kasernenstube denken.

Auf dem ersten Bett links lag keine Decke. Das Wand- brett darũber war leer. Mein Schlafplatz, kein Zweifel. Ich trat heran. Am Haken über dem Nachbarbett hing eine Ausgangsmütze von besonders feinem Tuch. Sie hätte ei- nem Feldwebel oder Offizier gehören können, doch sie trug nur die Mannschaftsabzeichen. Unter dem Bett stand ein Lederkoffer, abgewetzt, aber gleichfalls von feinstem Material. Ich beugte mich nieder, um die eingeprägten Ini- tialen zu lesen: ein, J und ein, Ge, dazwischen ein kleines Ve, überdacht von einer Krone.

Wie aus einem Groschenroman, fuhr es mir durch den Kopf, Herr von C..., ein junger, durch unglückliche Um- stãnde tief verschuldeter Edelmann, dem nur noch ein ein- ziger lahmer Gaul und ein uralter Lakai geblieben sind, und der nicht die geringsten Aussichten hat, die Hand der geliebten Komtesse zu erhalten.v

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