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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
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Ich wurde durch ein Geräusch aus meinem Phantasieren gerissen.

Jemand war in die Stube gekommen.

Herumfahrend, blickte ich in ein Gesicht von sũdlãndi- schem Schnitt, olivenfarben, mit scharfgebogener Nase, dunklen Augen, einem seidigen schwarzen Schnurrbart und schmalen Lippen. Etwas in diesen Zügen verwirrte mich, doch fand ich erst spãter heraus, was den verwirren- den Eindruck schuf: es war die Verschiedenheit der beiden Augen. Das linke glänzte lebhaft, gewissermaßen über- wach; das rechte dagegen verbarg sich zu drei Vierteln hin- ter einem schwer herunterhängenden Lid; es schien trüb, verschlafen, wurde jedoch zuweilen von einem plõtzlichen Aufleuchten erhellt.

Ich hatte unwillkürlich Meldehaltung angenommen, viel zu stramm, denn der Dunkelgesichtige hatte, wie ich nun sah, nur um einen Tressenwinkel mehr am Krmel als ich.

Er winkte ab. Es war eine lässige, fast hochmütige Be- wegung, und doch wirkte sie nicht verletzend. Mit einer tiefen Stimme fragte er: Oberschũtze Holler dv und setzte gleich hinzu: Das ist gut. Wir kõnnen Zuwachs brauchen. Das Bataillon hat kaum halbe Kriegsstärke. Wir haben schon auf dich gewartet. Ich bin der Stubenälteste hier: Chabrun.v Er sprach den Namen betont franzsisch aus und quittierte mein Erstaunen mit einem spõttischen Blick unter dem schweren Augenlid hervor.«Joachim von Cha- brunꝰ, wiederholte er und erkundigte sich dann:«Du bist doch Student gewesen, was dv

¶Ja. Wiesodv

Das merkt man eben. Ich merke das. Bin übrigens auch mal ein Studiosus gewesen. Eine Weile... Ja, eine Weile, wie anderes auch.v Er lachte, brach unvermittelt ab, tippte an mein Verwundetenabzeichen. Ostfrontꝰv

Ich bemerkte erst jetzt, daß auch er das Abzeichen trug.

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