aussah wie früher, daß sich jedoch etwas Fremdes, Finste- res unter dem vertrauten Kußeren verbarg.
Es war schwer, die Verãnderung zu definieren. Vielleicht lag sie nur in der Art, wie die Menschen, die zu der Stadt gehörten, mit gläsernen Blicken an denen vorbeisahen, die nicht zu ihr gehörten. Oder vielleicht lag die Verãnderung darin, daß, anders als früher, ein Lachen, ein Lied auf der Straße auffiel?
Mir schien plõtzlich, als sei die Heiterkeit des Akkords von Sonne und Fluß und Grün und aufstrebenden Tür- men nur nachgemacht. Ich spũrte die Müdigkeit der zwei durchfahrenen Nächte wieder. Der Tornister wurde schwer. Ich gab es auf, weiterzugehen. Ich fuhr mit der Straßenbahn nach der Liebener Vorstadt.
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Der Feldwebel, der mir meine Finteilung zur Gruppe Unteroffizier Klahde, Stube 2 B, bekanntgegeben hatte, hielt mich noch für einen Augenblick in der Kompaniekanzlei zurück. Holler?... Holler? Warten Sie mal, ich glaube, es ist schon was mit der Post für Sie angekommen.v Er ver- schwand in einem Nebenraum, kehrte jedoch nach einer kurzen Weile mit leeren Händen wieder. cIch habe mich geirrt*, erklärte er, aes war nur eine Anfrage wegen einer Paketzustellung. Die Post wollte wissen, ob Sie schon bei der Kompanie sind. Na, jetzt sind Sie ja hier.v Er entließ mich, nachdem er mir nochmals auseinandergesetæt hatte, daß die Gruppe Klahde in zwei Stuben untergebracht sei und daß ich zur Stube B— zweiter Stock, letzte Türe— ge- höre.
Ich ging. Ein angenehmes Gefühl erfüllte mich. Ich über- legte, wer mir das angekündigte Paket geschickt haben mochte. Sicher nicht Anneliese. Von der hatte ich erst vor einer Woche eine Liebesgabensendung erhalten: selbstge-
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