lich war alles... Wie sie wohl aussehen? Was, zum Bei- spiel, trieb Barbarad In den Briefen von daheim wurde ihrer nie Erwähnung getan, nur Mutter ließ manchmal durchblicken, daß sie sich um Barbara sorgte. Aber Bar- bara ging nicht verloren, obwohl man natürlich nie wissen konnte... nein, nein, Barbara ging nicht verloren. Was für Augen sie wohl machen würde, wenn ich sie jetzt hier träfe? Aber es war schon besser, ihr nicht zu begegnen, ich war ja Soldat, und bei ihren Ansichten... ach, was war das ũberhaupt eine verrũckte Vorstellung, dieses Zu- sammentreffen! Was für eine verrũckte und unmõgliche Vorstellung!
Ich blieb stehen, ging ganz langsam weiter, blieb wieder stehen. In den kleinen, vielfach geteilten Fenstern glänzte die Sonne. Auf dem Marienplatz und hinter der Kreuz- herrenkirche grünten die Ahornbäume. Unter dem Brük- kenbogen mit dem steinernen Heiligen floß breit und rau- schend der Fluß. Smaragdfarben schimmerten die Dächer der Kirchen und des Veitsdomes auf dem anderen Ufer. Die Gartenhänge des Laurenziberges waren rot gespren- kelt von blũhenden Kastanien. Die Sonne spiegelte sich in den Glasscheiben des Rundgangs oben auf dem Kleinen Biffelturm. Die Scheiben waren rosa und blau; das konnte man von hier aus nicht schen, aber ich wußte es. Lidka hatte einmal mit mir durch die bunten Scheiben hinunter- geblickt, an einem lauen Vorsommertag ãhnlich wie heute, und die himmelblaue Welt hatte durchaus unserer Laune entsprochen. Und dann war Lidkas Hut plõtzlich davon- geflogen; er hatte sich ausgenommen wie ein weißer Blu- menkorb mit gelben Anemonen...
Ja, der gleiche Wind wie damals wehte auch heute, und es roch genau so, und die Stadt lag genau so da. Alles war, wie es frũher gewesen.. Oder war es doch nicht so7 Zu- erst wollte ich mir's nicht eingestehen, aber mit jeder Mi- nute wurde es für mich klarer, daß die Stadt nur noch so
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