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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
Entstehung
Seite
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von deinen Feuersteinen herausrücken müssenv, dachte ich mir; ich hatte geschen, daß sich in seinem Feuerzeug mehrere Reservesteine befanden, von der Sorte, wie man sie schon lange nicht mehr kaufen konnte. Aber als ich gleich darauf in die Kanzlei befohlen wurde, war der Stabs- gefreite nicht drinnen. Der ist zur anderen Tür hinaus, erklärte mir ein Unteroffizier. Und als er erfuhr, weshalb ich mich nach dem Stabsgefreiten erkundigte, meinte er: (Da machen Sie nur einen Strich drunter. Den Bruder schn Sie nicht wieder.v

Er hatte recht. Der Stabsgefreite war nicht mehr zu fin- den. Ein netter Willkommv, sagte ich mir, trõstete mich jedoch schnell. Der Tabak war schließlich nur Marke Deutscher Buchenwald' gewesen, und der Beutel, ein Ge- schenk Annelieses, aus nachgemachtem Rehleder. Nein, der Schade war kaum der Rede wert, und er sollte mir die Ankunftsfreude nicht vergãllen. War es nicht schön, hier zu sein? Hier, und nicht irgendwo an der Front oder in einem polnischen Ftappennest? ¶Laß fahren dahin... vIch Schnallte um und machte mich auf den Weg nach der Liebener Vorstadt, wo die erste Kompanie des WSB.,

der ich zugeteilt war, in einer Schule nahe dem Frachten- bahnhof im Quartier lag.

Ich hätte die Straßenbahn nehmen können aber war- um eilen? Zum Wachestehen oder Griffeklopfen kam ich immer noch zeitig genug. Der Tornister schien mir leicht, und die Straßen der Altstadt lockten.

Hier war ich seinerzeit fast täglich herumgestreift, oft allein, dann wieder mit den Mãdchen oder in Begleitung von Studienkollegen. Auf Schritt und Tritt grüßten be- kannte Plãtze: dort die Universitãt, hier unser verräãucher- tes kleines Café, und hier das Barockportal, vor dem ich mich so oft mit Barbara und Lidka verabredet hatte. Was, wenn sie peide plõtzlich dort um die Ecke kãmen? Mög-

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