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Himmelfahrts-Kommando : Roman / F. C. Weiskopf
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ner. Mein Erstaunen war groß, als ich erfuhr, daß er zwar vom ersten Kriegstag an in Feldgrau war, aber pisher nur Dienst im Hinterland geschen hatte. Man prauche eben erprobte Nationalsozialisten nicht nur an der Front, er- klãrte er grinsend. Im übrigen seien seine Prager Tage ge⸗ zählt, er warte eben auf seinen Marschbefehl nach Polen , zu einem Etappenkommando. Als er hörte, daß ich zum Wach und Sicherheitspataillon kommen sollte, schlug er mir klatschend auf den Schenkel.«Mensch, Holler, dieses Pechlv schrie er, warum muß ich gerade jetzt weg, wenn du beim WSB. eintrudelst?* Und er erging sich in einer Schilderung des Lebens beim Wach und Sicherheitsba- taillon. Der Dienst war, nach seinen Worten, ckein Zuk- kerlecken, aber auch keine Latrinensoßev. Man bewachte zumeist Heerestransporte und Vorrãte, wurde aber ge- legentlich auch bei Streifen und bei Strafaktionen gegen reĩchsfeindliche Elemente eingesetæt, war also halb Schließ- gesellschaft und halb Polizei. Es gab viel Postenschieben, ab und zu auch scharfen Drill. Die Offiziere? In der Mehr- zahl Aktive, alle ziemlich schwer kriegsbeschädigt. Vor einigen mußte man sich in acht nehmen, mit andern ließ sich's auskommen, wie überall. Die Unteroffiziere waren fast durchwegs scharfe Hunde, die sich durch strammes Auftreten beim Bataillon halten wollten. Das Futter ging an; über Mangel an Unterhaltung(wenn man dienstfrei hatte) konnte man sich nicht beklagen; kurz, es war aus- zuhalten beim WSB.... und sicher tauschte man bei einer Versetzung in die polnische Etappe nichts Besseres ein.

Der Stabsgefreite wurde vor mir in die Kanzlei gerufen. Wir schen uns nachher noch, Heil Hitler! Mit diesen Worten verschwand er hinter der Türe. Erst eine Weile spãter merkte ich, daß er meinen Tabaksbeutel mitgenom- men hatte, wohl um ungestõrt einen besonders tiefen Griff hineintun zu können.«Na, warte, dafür wirst du mit einem

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