te aus Leibeskräften auf die Rinde los. Immer nach zwei Schnabelhieben schickte er seine spitzige Zunge in die Öffnung hinein, um Insekten hervorzuholen.
,, Macht er denn den Baum nicht kaputt," fragte Ludwig, um der Tränen Herr zu werden.
,, Nein," sagte Steiger sofort ,,, ein Specht hackt nie gesunde Stellen an. Der alte Ahorn ist morsch."
Es war viel zu früh, als Ludwig zur Bahn fuhr. Im Autobus war kein Mensch. Er kletterte zur Imperiale hinauf, setzte sich an das Vorderfenster und schaute vom hohen Ausguck auf die ausgestorbenen Straßen. London war an diesem Julinachmittag leer wie eine Ruinenstadt. Immer wieder kamen kleine Regenschauer, dazwischen blitzte die Sonne, runde Tropfen liefen über das Glas.
Die riesigen Hallen von Victoria- Station lagen fast ohne Geräusch. Selten rollte ein Zug ein. Die Millionen waren auf's Land gefahren oder hielten Nachmittagsschlaf.
Ludwig wanderte den Bahnsteig auf und nieder. Zweimal erkundigte er sich bei dem einzigen Beamten, ob dieser Vieruhrzug auch wirklich hier anlange, nicht etwa auf Waterloo- Station.
Aber an die Stelle seiner Erregung und Ungeduld war ein stillerer Zustand getreten, schwebend zwischen Wehmut und Glücksbereitschaft.
Gerade als er nicht auf ihn wartete, fuhr unvermutet der Zug ein.
Beinahe niemand stieg aus. Aber da stand Ruth in
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