sie in dem Kuppelsaal heimisch wurde. Sie tat ihre Arbeit ohne Lust, ohne Aufschwung. Kunst und vergangene Kultur waren tote Materie für sie, da der, mit dem sie sie hatte betrachten können, der Vater, nicht mehr am Leben war.
In diesem Zustand hatte Ludwig sie gefunden.
Sie maß ihm das Zusammensein karg zu. Noch immer mußte er im Gespräch gleich behutsam sein. Der Name ihres Vaters war nie, nicht ein einziges Mal, über ihre Lippen gekommen. Sie aus ihrer Starre befreien zu wollen, erschien ihm manchmal ganz hoffnungslos. Aber dann kam, zu Ende April, an einem schon sommerlichen Tag, ein Ausflug in die prangenden Gärten von Kew, und hier fragte sie zum ersten Mal nach seiner Arbeit.
Er hatte im Stillen darauf gewartet, und er sprach ihr sogleich ausführlich davon. Sie erwärmte sich, zeigte sich unterrichtet, frug begierig nach Einzelheiten. Als sie heimkehrten, stellte er mit Beschämung fest, daß er zwei Stunden lang von sich selber geredet hatte.
Aber es zeigte sich, daß hier der rechte Weg führte. Dies war neutraler Boden, ohne Gefahr. Sie bat um Einblick in sein Manuskript. Zwei Tage später war sie mit dem Gegenstand völlig vertraut, hatte Einwände, Vorschläge. Dankbar fühlte er sich bestätigt. Es beflügelte seine Arbeit, daß nun ein Auge da war, auf sie zu warten.
330
Inzwischen beobachtete er mit Betrübnis, daß ihr


