Freunde, mit denen sie auf jene Südfahrt gegangen war, boten ihr ein Asyl. Aber sie spürte plötzlich, in ihrem wilden Schmerz, daß diese gutartigen Leute sie nichts angingen. Sie besaß gerade noch Geld genug, um nach England zu gelangen. Vielleicht dachte sie damals noch, daß doch irgend ein Teil ihres Erbes an sie ausbezahlt werden müsse. Aber es kam nichts als, Monate später, der Brief eines unbekannten Anwalts und ein Päckchen mit persönlichen Andenken an den Vater. Die Dekadrachme von Syrakus war dabei.
Nach dem Tode des Herzogs Philipp war sie, seinem Testament gemäß, an Jacques Wetzlar zurückgefallen. Sie hatte er in der Nacht vor seinem Ende heimlich an sich genommen, und sie hatte man in seiner Rocktasche gefunden.
Ruth war bettelarm in London und völlig allein, allein mit ihrer Trauer und ihrem Haẞ. Auf ähnlichen Wegen wie Ludwig hatte sie Beschäftigung gefunden. Es war eine anständige, nicht entwürdigende Unterkunft, ein Platz bei Kindern, in einer Familie aus gehobenem Mittelstand, irgendwo in Bayswater . Sie hatte ein gutes Bett hier, reichliches Taschengeld, man fand es selbstverständlich, daß sie mit am Familientisch saß. Ach, ihr wäre wohler gewesen, mit den Dienstboten in der Küche zu essen.
Denn es war viel von Deutschland die Rede an diesem Tisch, von Herrn Hitler und seinen Gesetzen. Und es war in einem Sinn davon die Rede, daß sie es schwer ertrug. Wenn bei den weltkundigen Groß
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