sich nicht und aẞ von den guten Sachen. Er hätte am liebsten geweint.
Es war völlig dunkel, als sie wieder auf der Straße standen. Der Abend war kühl.
,, Das Museum ist zu," sagte Ruth. ,, Jetzt müssen Sie ohne Mantel nach Haus, und bekommen einen Schnupfen zur Strafe."
,, Es war eine Lungenentzündung wert. Welchen Autobus nehmen Sie?"
,, Das geht Sie garnichts an!" Was von beginnender Vertraulichkeit dagewesen, war schon wieder fort. Niemand sollte ihrem Leben zu nahe kommen! Er sollte nicht einmal wissen, in welchem Stadtteil sie wohnte.
Schließlich teilte sie trocken mit, daß sie am übernächsten Nachmittag wieder im Museum sein werde, und war eingeschluckt von der Dämmerung.
Als Ludwig verspätet nach Hause kam, wo Steiger mit Unruhe auf ihn wartete, konnte er sich zu keiner Erklärung entschließen. Ihm war ganz zu Mut, als habe er eine Untreue an dem Gefährten begangen, da nun ein Gefühl in sein Dasein gekommen war, das über ihre Freundschaft so gewaltig hinausging. Sie assen fast stumm. Aber als abgeräumt war, setzte er sich an den Tisch und schrieb wiederum einen Brief mit der Adresse Frankfurt- Sachsenhausen, Zwischenstraße 8A.
Und nun begann eine Zeit der seltsamsten Werbung. Wochen hindurch blieben ihre Begegnungen
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