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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Scharf fällt ihr Strahl auf die Opfer und auf die nackte Sandwand dahinter. Schon Gemordete liegen in Blut­lachen, die Münder noch offen vom letzten Schrei. Der jetzt an der Reihe ist, Einer in grellweißem Hemd und grellgelber Hose, breitet die Arme weit aus, sein afrikanisch braunes Gesicht in entsetzter Entschlos­senheit dem Tod zugewendet. Um ihn Jene, die fol­gen werden, ohnmächtiges Schlachtvieh, die Hände vor's Gesicht geschlagen, die Fäuste schüttelnd, hin­einbeißend in ihre Fäuste, Verzweifelte, Rasende, hei­lig Ergebene. Ein ganzes, betrogenes, geschändetes Volk in einer Gruppe des Jammers. Vor ihnen, zur Rechten, im halben Dunkel, das Mordpeloton, sie­ben, acht Mann- aber nicht Einzelne sind das, nicht Mensch und Menschengesicht, es ist die Maschine, das präzis funktionierende Mordinstrument der Gewalt.

Ein Schrei gegen Unrecht und Missetat das ganze Bild, ein Hilfeschrei aller Zertretenen, die waren und sein werden.

Ist dies Napoleons Zeit, Spanien , das Gemäuer vor dem schwarzen Himmel Madrid ? Nichts braucht man zu wissen. Denn es ist ewig das Selbe.

Dies ein Werk aus der Zeit des kalten und leeren Empire? Unglaublich. Dies von der gleichen Hand, die noch Rokokofreuden gemalt hatte? Völlig un­glaublich. Aller Mut, jeder Ausdruckswille spätester Kunst war hier schon vorweggenommen. Was war das für ein ungeheurer Mensch, der da durch die Zei­ten schrie!

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