Portraitierten lebten in seiner Beschreibung, ja auch der Maler begann schon zu leben. Rotteck hatte angefangen, zufrieden zu sein... Es war doch schön gewesen, an etwas zu bauen, und war es auch nur am dunkelsten Seitenkapellchen im Dom einer Wissenschaft.
Ein Verlangen kam ihm, durchs Domfenster einen Blick zu tun auf die verlassene Arbeitsstätte. Es war leicht zu befriedigen, nirgends leicheter als hier. Er füllte ein paar Verlangzettel aus, auf's Geratewohl und aus dem Gedächtnis. Er verlangte Reproduktionen und zwei, drei Werke über den Meister. Wie geläufig sich alles noch einstellte, Name, Erscheinungsort, Datum! Yriarte, Paris 1867, schrieb er hin, Viñaza, Madrid 1887.
Dann wartete er. Die große Uhr dort oben zeigte vier. In Prag war es fünf. Da ging Rottecks Arbeitstag noch längst nicht zu Ende. An seinem Fensterplatz saß er und schrieb.
Als die Bücher kamen, schlug Ludwig das auf, das zu oberst lag. Es geschah mit Herzklopfen wie bei einem schicksalbedeutenden Wiedersehen. Das Buch klappte an einer Stelle auseinander, an der eine farbige Tafel eingeheftet war. Es war eine sehr gute Reproduktion. Und es war ein furchtbares Bild.
Einsam der Ort, zwischen kahlen Hügeln, nah einer Stadt. Vor dem Nachthimmel, geisterhaft, ihre Mauern und Türme. Soldaten vollstrecken ein Todesurteil. Am Boden, als Lichtquell, eine riesenhafte Laterne, sie sieht aus wie ein leuchtender Koffer. 304


