Wie jedesmal, wenn sein Blick über die vielen geneigten, braunen und weißen Häupter ging, tauchte Rotteck vor ihm auf, Rotteck verhundertfacht, schreibend an seinem Prager Fenster. Und wie jedesmal, so spürte er auch jetzt in seinem Herzen den scharfen Biß der Reue.
Er hatte gefehlt gegen ihn, nicht menschlich nur- davon dachte er mit hastiger Anstrengung weg. Er hatte auch gefehlt als sein Schüler. Rotteck hatte ihn einen Weg geführt, und er war ihm nur ein kleines Stück weit gefolgt. Er dachte an seine Arbeit zurück, an das Goya- Manuskript, die vielen engbeschriebenen Foliobogen. Es schien Jahrhunderte her zu sein, seit er den letzten Federstrich daran getan hatte. Aber es waren noch nicht zwei Jahre. Er erinnerte sich genau an den Tag. Es war der Tag vor jener Nacht, da er von seinem Hinterfenster hinuntergeblickt hatte auf die violetten Mordpüppchen im Hof. Sie waren noch kleiner gewesen als dort auf der obern Galerie die Figürchen vor den Nachschlagewerken. Wo mochte das Manuskript jetzt sein? Verstreut wie sein übriger Hausrat, in einem Winkel verstaut, wahrscheinlich als wertlos verheizt.
Wertlos, das war es gewiß. Es verschlug wenig, ob man von Karl dem Vierten sechzehn Bildnisse kannte statt dreizehn. Immerhin, er hatte tausend emsige Stunden und auf Reisen viel Forschungsmühe an diese Arbeit gesetzt. Und schließlich war sie auch mehr und war Besseres geworden als nur ein Katalog. Die
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