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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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lein hält's ja auch nicht mehr aus, die weint ja vor Glück, daß sie fort ist. Ich gehe mit Ihnen, Herr Wetzlar! Wir gehen alle mit. Ich brauche kein Geld, ich kann arbeiten, ich bin geschickt. Ich lasse Sie nicht sitzen, Herr Wetzlar, ich nicht. Sie sollen es sehen. Und wenn Sie in einem Zimmer leben müs­sen irgendwo- es wird ein schönes Zimmer sein, Sie werden es schön haben. Sie können sich denen doch nicht hinstellen vor ihr Gericht! Das geht doch nicht an. Das darf doch nicht sein. Da kann man ja nicht mehr an Gott glauben, wenn so was passiert."

Und dann weinte er wieder los, aber ganz hem­mungslos jetzt, heulend, voller Wut und ratlosem Gram. Wetzlar reichte ihm die Hand hin und ließ ihn weinen.

,, So," sagte er schließlich ,,, und jetzt hol' den Wa­gen heraus, Martis. Wir fahren zum Roßmarkt."

Aber nun kam das Schwerste für Martis: seinem Herrn mitzuteilen, daß, während er im Gefängnis saẞ, der Laden am Roßmarkt geschloßen worden war und alles, was er enthielt, behördlich beschlag­nahmt.

Jene Amtsstellen, die vor einigen Monaten knir­schend hatten verzichten müssen, nahmen die neue bessere Gelegenheit wahr. Zwar hatte das Antiqua­riat Wetzlar mit jenem ,, Gesetz zum Schutz des deut­schen Bluts und der deutschen Ehre" nicht das Aller­geringste zu tun. Aber der Bemakelte war nun vogel­frei. Kein rechtskundiger Bürgermeister würde noch 224