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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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senämtern verbringen und Stunden hindurch ver­trackte Formulare ausfüllen. Auch lag ihm an alldem wenig. Er war reich. Das geschäftliche Interesse hatte nie in ihm dominiert. Er war ganz zufrieden, sich wei­ter zwischen seinen Vitrinen zu bewegen und mit ver­einzelten Kennern gelehrte numismatische Gespräche zu führen.

Um diese Zeit war seine Tochter längst ein er­wachsener Mensch, ein zartes, schönes, ernsthaftes Mädchen. Ihre historischen und kulturhistorischen Studien hatte sie kurz vor der Doktorpromotion ab­brechen müssen. ,, Sie können Ihr Studium an der hiesigen Universität nicht fortsetzen", hatte es ohne Anrede und Formel auf dem offiziellen Wisch bündig geheißen, und damit hatte es sein Bewenden gehabt.

Sie beklagte sich keineswegs. Zu lernen, meinte sie, gebe es bei den neugebackenen Professoren ohnedies nichts, die da mit dem Parteiabzeichen geschmückt die Katheder mißbrauchten. Es sei ihr nur hoch will­kommen, sich mehr als bisher dem Vater widmen zu können.

An ihm hing sie leidenschaftlich. Nie riẞ den Bei­den, die Neigungen und Interessen gemeinsam hat­ten, der Gesprächstoff ab. Es kam nicht vor, daß Ruth einen Abend außer Haus zubrachte.

Wo hätte sie übrigens hingehen sollen! Die jüdi­schen Familien pflegten kaum mehr Verkehr mitein­ander. Vielfach war in ihren Häusern mitten in der Nacht die Staatspolizei erschienen und hatte Gastgeber 216