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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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Städten betrieben vereinzelte jüdische Antikenhändler auch weiterhin ihr Geschäft.

Wetzlar als ein eigensinniger alter Mann ver­schmähte die Schleichwege. Er tat, als wisse er nichts von der neuen Verordnung, und fuhr weiter jeden Tag von der Miquelstraße zum Roẞmarkt. Eines Mor­gens fand er seinen Laden verriegelt und sein Per­sonal ratlos auf dem Trottoir. Er suchte den Zweiten Bürgermeister von Frankfurt auf, einen gebildeten Juristen, den er seit zwanzig Jahren kannte. Der empfing den blinden Greis mit Höflichkeit und ver­sprach, seine Sache an entscheidendem Ort zur Sprache zu bringen. Drei Wochen später erhielt Wetzlar die formelle Erlaubnis, seinen Beruf weiter auszuüben. Wer die Ausnahme verfügt hatte, wußte er nicht. Er wußte aber auch nicht, daß seinetwegen ein Kompetenzstreit ausgebrochen war, und daß es ,, oben" Leute gab, die ihm für die erlittene Nieder­lage Rache zugeschworen hatten.

Mehrere Monate lang ging alles gut. Zwar war von einem eigentlichen Geschäftsgang längst nicht mehr die Rede. Die öffentlichen Münzinstitute konnten na­türlich mit einem jüdischen Händler keine Abschlüsse wagen; im privaten Publikum war, mit anderen feine­ren Neigungen, auch die Freude an schönen Alter­tümern im Versiegen; und die Verbindung mit Käu­fern im Ausland war durch die schikanösen und un­erlernbaren Geldbestimmungen unterbrochen. Der blinde Mann konnte nicht seine Tage auf den Devi­

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