ohne Beziehungen, ohne Mittel, mit abgestreifter Identität. Er wußte nichts als den Namen Ginnheim. Dies Ginnheim war leicht zu finden. Und dann stand er waffenlos vor dieser zehnfach verwahrten Festung des Vergessens. Den Freund da herauszuholen, das schien der Aufgabe gleich, mit den Händen einen Expreßzug aufzuhalten. Bestechung, war ihm gesagt worden, sei das einzige Mittel. Aber dazu gehörte Geld. Er besaß noch ein paar Objekte von Wert, seine Cigarettendose und eine sehr schöne Uhr. Es war unsicher, ob der Erlös genügen konnte. Vor allem aber wußte er nicht, wer zu bestechen war. Die Wärter? Ein Vorgesetzter? Der Kommandant des Lagers selbst? Wie kam man mit diesen Leuten in Berührung?
Er stand auf einer Asphaltinsel inmitten der Straßenbahnen und kreisenden Autos, hier festgehalten, weil er keinen sinnlosen Schritt weiter tun wollte, Wunschbilder hinter der Stirn, die sich erhoben, schwach aufglänzten und wieder zergingen.
In gewissen Ausnahmefällen, erinnerte er sich, war das eine oder andere Lager ausländischen Journalisten gezeigt worden, Korrespondenten solcher Zeitungen, deren Sympathie mit Hitlers Herrschaft außer Zweifel stand. Leuten, von denen gewiß war, daß sie alle Einrichtungen tadelfrei, die Behandlung der Eingeschlossenen mustergültig human, ihr Los beinahe beneidenswert finden würden. Spießgesellen mit einem Wort, dazu auserlesen, jenen ,, Greuelmärchen" ent204


