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Der Reisepaß : Roman / Bruno Frank
Entstehung
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und begann unter nervösem Gelächter kunstgerecht zu feuern. Todesgegacker und herumwirbelnde Fe­dern Herr Hemmisch schilderte es anschaulich- erfüllten in dem niedrigen Schuppen die staubige Luft. Dem Aufsichtspersonal wurde versichert, daß alles bezahlt würde, und vergnügt und gesättigt fuhr der Herzog davon. Bezahlt wurde auch, aber Skandal gab es dennoch. Die Zeitungen- nicht weniger froh offenbar über das ungefährliche Thema als jetzt Herr Hemmisch bemächtigten sich des Falles, und Wochen lang hielt es Herzog August für angezeigt, sein Schloß überhaupt nicht mehr zu verlassen. Hof­lieferant Hemmisch fand übrigens das Geschrei über­trieben. ,, Was wollen die Leute im Grunde," meinte er ,,, gefressen werden die Hühner ja doch. Dem Huhn ist es einerlei, ob's eine Kugel trifft oder ob ihm die Köchin den Hals abschneidet. Man muß auch schließlich gerecht sein. Der eine schießt Hühner-" Hier aber, vielleicht im richtigen Augenblick, brem­ste der Zug, und Herr Hemmisch war am Orte seiner Bestimmung angelangt.

Auf diese Weise erfuhr Ludwig einiges über die Lebensführung des Bruders, den sein Geschick so vorzeitig aus dem Blutkreislauf der Macht ausge­schaltet hatte.

Auch Ludwigs Reiseziel war nun bald erreicht. Im Städtchen Eisenach verließ er den Zug und wanderte, sein Köfferchen in der Hand, die schneeknisternde Bahnhofstraße hinunter, um einen Gasthof su suchen.

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