ohne Kritik; es war ungefährlich. Herzog August, wenn man ihm glauben konnte, hatte sein Leben nun gänzlich der Jagd gewidmet. Von dreißig Tagen galten ihr fünfundzwanzig. In den Monaten aber, da Hirsche und Hasen Schonzeit hatten, hielt er sich grämlich allein im Camburger Schloß und veranstaltete Taubenschießen- wobei die Tiere aus dunklen Kästen in die freie Luft hinaufgelassen und geblendet von der fürstlichen Kugel ereilt wurden. Dieser etwas grausame Sport schien in der Bevölkerung Miẞfallen erregt zu haben. Mehr noch ein gewisser anderer Vorfall, Herr Hemmisch erzählte ihn ganz ausführlich.
Im vergangenen Oktober hatte der Herzog einmal einen besonders ergiebigen Jagdtag gehabt. Im sogenannten Bannwald nördlich von Camburg war für ihn eine Schuẞkanzel aufgebaut, und an der hatte man das Wild vorübergetrieben, so daß es ganz ohne Beschwer zu erlegen war. Die Strecke an jenem Tag betrug 7 Hirsche, 32 Rehe und 108 Hasen. Mit Befriedigung hatte der Herzog sein Werk betrachtet, war wieder und wieder die Reihe der Geschöpfe abgeschritten, die da mit glasigen Augen lagen, und hatte sich dann auf die Heimfahrt begeben, im Bedauern, daß die Nacht seiner Tätigkeit so früh ein Ende setzte. Der Weg führte an einer Geflügelfarm vorüber, die einer Familie Quendel gehörte. Unvermutet ließ Herzog August halten, befahl Lichter zu bringen, faßte Posto an einem der Fenster, scheuchte durch einen Schuß das schlafende Geflügel empor
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